Informationsveranstaltung der Gemeinde Pittenhart am 3. Februar 2016

Zu einer Informationsveranstaltung über die Lage der Flüchtlinge allgemein und im Speziellen über die in Pittenhart lebenden Syrer und Iraker hatte der Bürgermeister Sepp Reithmeier von Pittenhart eingeladen. Zusammen mit dem Helferkreis war die Veranstaltung vorbereitet worden. Es kamen ca. 30 Pittenharter BürgerInnen und Bürger und 28 junge Männer aus dem Irak und Syrien, die in Pittenhart und Aiglsham leben.

Sepp Reithmeier nannte einige zahlen und Fakten zu der Anzahl der derzeit in Bayern aufgenommenen Flüchtlinge und bezeichnete die Lage als sehr schwierig. Grossunterkünfte seien nicht erwünscht im Landkreis, dennoch gäbe es oftmals keine andere Wahl. Für Pittenhart sind nach wie vor weitere 40 Asylbewerber zu erwarten, jedoch fehlt es an Wohnungsangeboten, nicht aber an etwa vorhandenem Wohnraum. In Obing sind bisher keine Flüchtlinge untergebracht.

Der Helferkreis hatte einen kleinen Bildervortrag vorbereitet, um einen Einblick in die Kultur der Herkunftsorte der Syrer und Iraker zu geben. Herr Shkier vom Landratsamt Traunstein, der schon lange in Deutschland lebt, berichtete eindrucksvoll von den Städten Homms, Aleppo und Damaskus. Aus diesen Orten bzw. deren Umkreis kommen 20 Syrer. Es waren Bilder zu sehen von der grossartigen Kultur, die noch vor 5 Jahren Touristen aus aller Welt anzog und die nun in Schutt und Asche liegt, ein unvorstellbarer Zustand. Niemand wollte sein Land verlassen, aber der Krieg veranlasste Millionen Menschen zur Flucht.

HK_Infoveranstaltung
Foto: © Helga Pis

Auch die jungen Männer kamen zu Wort. Zwei von ihnen konnten ihren Bericht sogar auf Deutsch vortragen. Sie schilderten die Gründe für ihre Flucht und äusserten die Hoffnung, hier in Deutschland ein neues Leben aufbauen zu können, nicht ohne zu erwähnen, dass sie auch gerne, wenn der Krieg vorbei sei, ihr Land wieder mit aufbauen würden. Sie betonten, dass sie auf unseren Schutz angewiesen sind, in ihrem Land werden sie nicht mehr beschützt. Und sie bedankten sich sehr für die freundliche Aufnahme in Pittenhart und die Unterstützung der HelferInnen und Helfer.

Einer der jungen Männer aus dem Irak berichtete von der Religion der Jesiden. Alle zehn Iraker gehören dieser Religion an. Die Jesiden sprechen Kurdisch und leben im Norden Iraks. Seit langer Zeit und insbesondere jetzt durch den IS werden sie verfolgt, ihre Frauen und Kinder entführt, versklavt oder umgebracht. Man spricht auch von einem Genozid an dieser Bevölkerungsgruppe. Bewegend schilderte der Iraker seine monotheistische Glaubensrichtung, was später von Sepp Stürzer noch ergänzt wurde.

Der Helferkreis stellte seine Arbeitsweise, Organisationsstruktur und bisherigen Ergebnisse vor. So gibt es verschiedene Arbeitsgruppen bzw.Teams, die zu Themen wie Amtslotsen, PR und Öffentlichkeitsarbeit, Spenden und Sachspenden, Sport, Technik, Deutschunterricht, Organisation der Fahrdienste, Kultur und Betreuung der einzelnen Wohngruppen zuständig sind. Es gibt ein umfassendes Angebot an Deutschkursen in der Volkshochschule und auch durch ehrenamtliche Deutschlehrer des Helferkreises.

Als schwierig erweist sich immer wieder das Transportproblem. Die Anbindung Pittenharts an RVO Busse ist sehr schlecht und so müssen Rufbusse und Private Fahrten organisiert werden.Die Deutschkurse sind sowohl für Analphabeten als auch für Fortgeschrittene und sehr weit Fortgeschrittene angelegt. Fast alle Männer spielen Freitags begeistert Fussball. Es sind auch einige Profis dabei.

Der Helferkreis bittet darum, Sachspenden nur an das Team Sachspenden zu geben, und nicht einfach in die Wohngruppen zu bringen.

Die Arbeit des Helferkreises ist sehr umfassend insbesondere, was die behördlichen Angelegenheiten betrifft. Die meisten Behördenangelegenheiten sollten von diesen erledigt werden, da die entsprechenden Personen beim Landratsamt, Jobcenter etc. überfordert sind , erledigt zur Zeit der Helferkreis das Meiste davon. Das ist jedoch zukünftig nicht mehr möglich und es wurde vorgeschlagen, dafür eine Verwaltungskraft (für die komplette Verwaltungsgemeinschaft) einzustellen.

Da die Gemeinde die Aufgabe hier beim Landratsamt sieht, und seitens der Regierung keine Stellen finanziert werden, möchte die Gemeinde einen ehrenamtlichen Asylbeauftragten benennen. Bisher ist aber noch nicht entschieden, wer diese Aufgabe übernimmt. Man kann sich gern bei der Gemeinde um diesen Posten bewerben. Der Helferkreis freut sich über weitere Unterstützung.

A.Hartmann 05.02.16